Was ist Keramikguss?
Keramikguss ist im einfachsten Fall ein Verfahren, bei dem eine flüssige oder halbfeste Keramikmasse in einen Formhohlraum (die Gussform) eingefüllt und anschließend zur gewünschten Geometrie erstarrt. Die Erstarrung kann je nach Verfahren durch Trocknen (Entfernen des Wassers), chemisches Gelieren, Ausbrennen des Bindemittels und Sintern oder durch Gefrieren/Erstarren erfolgen.
Es ist wichtig, die beiden miteinander verbundenen, aber unterschiedlichen Verwendungen des Begriffs voneinander zu trennen:
• Gießen zur Herstellung von Keramikteilen. Beispiele: Schlickerguss von Keramik, Druckguss von Sanitärkeramik oder Spritzgießen von keramischem Rohmaterial zur Herstellung dichter technischer Keramikbauteile.
• Verwendung von Keramik als Gussform. Beispiel: Herstellung einer Keramikschale um ein Wachsmodell, anschließendes Eingießen von Metall in die Schale, gängiges Verfahren in der Schmuckherstellung und der Luft- und Raumfahrt (Feinguss).
Beide Familien haben gemeinsame Anliegen, wie etwa Formenbau, Schrumpfung, Oberflächenbeschaffenheit und Wärmebehandlung, aber ihre Materialien und Endziele unterscheiden sich.

Bildquelle: Lithoz
Grundlegende Konzepte, die Sie kennen müssen
• Schlicker: Eine flüssige Suspension von Keramikpulver in Wasser. Die Rheologie des Schlickers ist entscheidend für die Herstellung gleichmäßiger Gussteile.
• Grüner Scherben: Das geformte, aber ungebrannte Keramikobjekt. Es ist zerbrechlich und enthält gebundenes Wasser oder Bindemittel.
• Lederhart / Knochentrocken: Trocknungsstadien; lederhart bedeutet, dass das Material steif genug ist, um es zuzuschneiden; knochentrocken bedeutet, dass das gesamte freie Wasser verdunstet ist.
• Schrühbrand / Sintern / Verglasung: Wärmebehandlungen, die Bindemittel entfernen, organische Bestandteile ausbrennen, Partikel verbinden und das Werkstück verdichten. Sintern wird bei technischer Keramik eingesetzt, um eine hohe Dichte zu erreichen.
• Schwindung: Die meisten Keramikmassen schwinden beim Trocknen und Brennen. Die typische Schwindung variiert je nach Rezeptur und muss bei der Formgebung berücksichtigt werden.
• Formtypen: Saugfähiger Gips (für Schlicker), flexibles Silikon, Metall (für Spritzguss oder Druckguss) und Keramikschale (für Feinguss).
• Verarbeitungsbedingte Mängel: Risse, Verformungen, Nadellöcher und Delaminationen entstehen in der Regel durch mangelhafte Trocknung, ungeeignete Rezepturen oder eine fehlerhafte Formkonstruktion.
Keramikgussverfahren
Gleitguss
• So funktioniert es: Gießen Sie Gipsschlicker in eine saugfähige Gipsform. Der Gips entzieht dem Schlicker Wasser und bildet so eine feste Schicht (die Schale) an den Formwänden. Sobald die Schale die gewünschte Dicke erreicht hat, gießen Sie den restlichen Schlicker aus und lassen die Schale aushärten.
• Gut geeignet für: Hohlkörper wie Teekannen, Vasen und Sanitärkeramik.
• Vorteile/Nachteile: Ausgezeichnete Oberflächenbeschaffenheit und Detailgenauigkeit; beschränkt auf relativ einfache innere Merkmale und benötigt Zeit für das Wachstum und die Trocknung der Schale.
Druck- und Schleuderguss
• So funktioniert es: Durch Druck oder Rotation wird das Gleiten in feinere Details gezwungen und die Schalenbildung beschleunigt.
• Gut geeignet für: Großvolumiges Tischgeschirr und Sanitärkeramik mit strenger Porositätskontrolle.
• Vorteile/Nachteile: Schnellere und dichtere Teile als beim herkömmlichen Schlickerguss, erfordert jedoch Spezialausrüstung.
Bandgießen
• So funktioniert es: Eine Keramikschlämme wird zu dünnen Platten ausgestrichen und getrocknet; verwendet für elektronische Substrate und dünne Bauteile.
• Gut geeignet für: Flache, dünne Bauteile wie mehrschichtige Keramiksubstrate.
Keramisches Spritzgießen (CIM)
• So funktioniert es: Keramikpulver wird mit Polymerbindemitteln vermischt, um ein Ausgangsmaterial zu erhalten, das wie Kunststoff spritzgegossen wird. Die Teile werden entbindert und gesintert.
• Gut geeignet für: Komplexe Geometrien und die Produktion größerer Stückzahlen kleiner Teile.
• Vorteile/Nachteile: Hohe Präzision und hoher Durchsatz; erfordert Infrastruktur zum Entbindern und Sintern.
Gelcasting
• So funktioniert es: Einem Keramikschlicker wird ein Monomer zugesetzt; nach dem Formen polymerisiert das Monomer und es entsteht ein starrer Grünling mit ausgezeichneter mechanischer Festigkeit.
• Gut geeignet für: Hochleistungskeramiken und komplexe Formen, die eine robuste Handhabung im Grünzustand erfordern.
Keramikschale / Feinguss
• So funktioniert es: Man erstellt ein Opfermodell (meist aus Wachs), überzieht es wiederholt mit Keramikschlicker und feuerfesten Schichten, um eine Hülle zu bilden, brennt das Wachs aus und gießt flüssiges Metall in die Keramikform. Die Keramikhülle wird nach dem Abkühlen entfernt.
• Gut geeignet für: Präzisionsmetallteile wie Turbinenschaufeln, Schmuck und komplexe Gussteile, die eine gute Oberflächengüte erfordern.
• Vorteile/Nachteile: Hervorragende Oberflächendetails und Dünnwandfähigkeit; zeitaufwändiges Mehrschichtverfahren.
Arbeitsablauf für ein typisches Keramikteil aus Schlickerguss
1. Bereiten Sie den Beleg vor.
Keramikpulver (Tonmasse oder Porzellan) mit Wasser und Zusatzstoffen (Dispergiermittel, Bindemittel) vermischen. Die Masse entlüften (Vakuumieren oder Absetzen lassen), um Blasen zu entfernen.
2. Die Form vorbereiten
Die Gipsform reinigen, gegebenenfalls Trennmittel auftragen und mehrteilige Formen zusammensetzen. Die Form gegebenenfalls leicht erwärmen, um das Austreiben der Gipsschale zu kontrollieren.
3. Gießen
Gießen Sie die Masse in die Form und lassen Sie sie ruhen. Das Wasser wird absorbiert, und es bildet sich eine Schale. Die Schalendicke kann durch Zeitablauf oder anhand kleiner Proben überprüft werden.
4. Abtropfen lassen und aushärten lassen.
Überschüssige Masse abgießen, sobald die gewünschte Dicke erreicht ist. Das Teil aushärten lassen, bis es lederhart ist.
5. Entformen und Zuschneiden
Entfernen Sie vorsichtig den grünen Korpus, schneiden Sie die Nähte ab und verbinden Sie die Teile (z. B. Griffe), solange das Material noch lederhart ist.
6. Trocknen
Gleichmäßiges, kontrolliertes Trocknen bis zur vollständigen Trockenheit. Zugluft und starke Temperaturschwankungen vermeiden.
7. Rohbrand
Erster Brand, um chemisch gebundenes Wasser und organische Zusätze zu entfernen und das Werkstück für die Glasur zu stärken.
8. Verglasung (optional)
Glasur auftragen und Bereiche reinigen, die unglasiert bleiben müssen (z. B. Kontaktstellen der Ofenplatte).
9. Glasurbrand / Sintern
Der letzte Brand, bei dem der Scherben verglast und die Glasur beim Gebrauch schmilzt.
10. Nachbearbeitung
Schleifen, Stanzen oder Präzisionsbearbeitung (bei technischer Keramik kann nach dem Sintern zusätzliches Schleifen oder Läppen erforderlich sein).
Materialien und Formulierungen
Kategorie | Typische Materialien | Typische Anwendungsgebiete | Gängige Gießverfahren |
Steingut | Roter Ton, Terrakotta | Dekorative Keramik, Fliesen | Gleitguss |
Steingut | Steinzeug-Tonkörper | Langlebiges Geschirr, Spülbecken | Schlickerguss, Druckguss |
Porzellan | Kaolinbasiertes Porzellan | Feinwaren, Sanitärkeramik, Kunst | Schlickerguss, Druckguss |
Technische Keramik | Aluminiumoxid, Zirkonoxid | Industrieteile, Implantate, Verschleißteile | Gelgießen, CIM, Pressen + Sintern |
Formmaterialien | Gips, Silikon, Keramikschale | Gussformen für Keramik- oder Metallguss | Gipsformen (Schlicker), Silikonformen, Keramik-Einbettmasse |
Häufige Fehler, Ursachen und Lösungen
1. Rissbildung
Verursacht durch ungleichmäßige Trocknung, dicke/dünne Querschnitte oder eingeschlossene Spannungen.
Nachbessern: gleichmäßiges Trocknen, Umgestaltung zur Vermeidung plötzlicher Dickenänderungen, Hinzufügen von Filets und Rippen.
2. Verformung / Verzerrung
Ungleichmäßige Feuchtigkeits- oder Temperaturgradienten während des Trocknens/Brennens.
Abhilfe schaffen: kontrollierte Trocknung, symmetrische Konstruktion oder Stützvorrichtungen.
3. Nadellöcher / Blasen
Eingeschlossene Luft, organische Verunreinigungen oder unsachgemäße Verglasung.
Nachbesserung: Entgasung der Glasur, Reinigung der Materialien, Anpassung der Glasurpassung.
4. Unvollständige Füllung / Dünne Wände
Schlupfarme Feststoffe oder mangelhafte Schimmelentlüftung.
Abhilfe: Anpassung der Gleitrheologie, Hinzufügen von Entlüftungsöffnungen und geeignete Formkonstruktion.
5. Delamination / Laminierung
Schichtbildung aufgrund mangelhafter Durchmischung oder Absetzen der Suspension.
Abhilfe: Durchmischung verbessern, Absetzen verhindern und einheitliche Gießverfahren anwenden.
Anwendungen
• Kunst und Tischwaren: Keramik, Skulpturen, Porzellangeschirr und Sanitärkeramik (Toiletten, Waschbecken).
• Industriekeramik: Isolatoren, Filter, Verschleißteile, Schneidwerkzeuge und biomedizinische Implantate aus Aluminiumoxid oder Zirkonoxid.
• Elektronik: Bandgegossene Substrate für mehrlagige Keramikkondensatoren oder Schaltungsträger.
• Luft- und Raumfahrt sowie Energie: Turbinenschaufeln, Präzisionsmetallgussteile.
• Schmuck und Prototypen: Wachsausschmelzverfahren + Keramikschale für feine Details.
Häufig gestellte Fragen
F: Worin besteht der Unterschied zwischen Schlickerguss und Keramikschalenguss (Feinguss)?
A: Beim Schlickerguss wird der fertige Keramikgegenstand durch Entwässerung des Schlickers in einer Gipsform hergestellt. Beim Keramikschalenguss wird eine Keramikbeschichtung verwendet, um eine Form um ein Wachsmodell (oder ein anderes Modell) zu erzeugen; diese Form dient dann zum Gießen von Metall oder anderen Materialien.
F: Warum schrumpfen Keramikteile nach dem Brennen?
A: Die Schrumpfung entsteht, weil sich die Partikel beim Sintern dichter packen, da die Porosität abnimmt und organische Bestandteile verbrennen. Rechnen Sie mit einer vorhersehbaren Schrumpfung (oft 5–20 %) und berücksichtigen Sie diese bei der Konstruktion.
F: Ist Keramikguss für die Massenproduktion geeignet?
A: Ja. Spritzgießen, Bandgießen und automatisiertes Druckgießen sind allesamt Massenproduktionsverfahren. Das traditionelle Schlickergießen ist langsamer, wird aber in Branchen mit hohem Produktionsvolumen (z. B. Sanitärkeramik) immer noch eingesetzt.
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